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Invasive Flohkrebse im Rhein und seinen Nebenflüssen: Habitatpräferenz, Parasitierung und Favorisierung durch Acanthocephalen-Larven, Wirt-Parasit-Koevolution

Invasive Flohkrebse im Rhein und seinen Nebenflüssen: Habitatpräferenz, Parasitierung und Favorisierung durch Acanthocephalen-Larven, Wirt-Parasit-Koevolution
Ansprechpartner:

Prof. Dr. Horst Taraschewski

Projektbeschreibung

In den 1980er und frühen 1990er Jahren wurde die Gammaridenfauna im Rhein von Gammarus tigrinus dominiert, einer aus Nordamerika 1957 in die Weser eingebürgerten Art. Sie dient dem später nach Deutschland eingeschleppten nordamerikanischen Aal-Acanthocephalen Paratenuisentis ambiguus als Zwischenwirt (Abbildung). In dieser Zeit waren die Därme der Rheinaale mit hoher Intensität mit den adulten Würmern von P. ambiguus infiziert.Nach der Eröffnung des Main-Donau-Kanals (1992) drangen jedoch mehrere ponto-kaspische Gammariden in den Rhein vor, und der Große Höckerflohkrebs Dikerogammaris villosus entwickelte sich zur dominanten Spezies, während G. tigrinus auf der Höhe von Karlsruhe völlig verschwand. Das führte dazu, dass auch P. ambiguus in den Därmen der Aale nur noch sehr selten nachgewiesen wurde. Zeitgleich kam es zu einem Anstieg der Parasitendiversität im Aaldarm, was offenbar eine Folge des Verschwindens von P. ambiguus war. In den letzten Jahren zeigt sich nun ein anderes interessantes Phänomen: D. villosus wird von einheimischen Acanthocephalen als Zwischenwirt angenommen. Unsere molekularen Untersuchungen dazu legen den Schluss nahe, dass es tatsächlich einheimische „Strains“ der Parasiten sind und keine mit den Gammariden zusammen aus Südosteuropa eingewanderten. Es zeigt sich auch, dass das Wirt-Parasit-Verhältnis zwischen D. villosus und den Acanthocephalen noch nicht harmonisiert ist und deshalb die Favorisierung des Zwischenwirts (seine Manipulation durch den Parasiten zur besseren Übertragung auf den Endwirt) möglicherweise noch nicht voll effizient verläuft.In diesem Kontext möchten wir weitere Untersuchungen durchführen und bieten deshalb Themen für studentische Arbeiten und Dissertationen an.

Gammarus tigrinus mit Larve des Aalkratzers Paratenuisentis ambiguus. Pfeile: Vorder- und Hinterende des Parasiten