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Aalarten als Wirte von eingeschleppten Parasiten, mit denen sie keine Koevolution durchlaufen haben

Aalarten als Wirte von eingeschleppten Parasiten, mit denen sie keine Koevolution durchlaufen haben
Ansprechpartner:

Prof. Dr. Horst Taraschweski 

Projektbeschreibung

Schnauze von A. crassus
Für das Blutsaugen an der Schwimmblsenwand der Aale konstruierte, mit Zähnen ausgestattete Mundöffnung von A. crassus
Schwimmblase
Geöffnete, mit A. crassus infizierte Schwimmblase eines Europäischen Aals

 

Aale sind von großer ökonomischer Bedeutung und stehen deshalb in hohem Maße unter menschlichem Management, was besonders für den Europäischen Aal Anguilla anguilla, den Japanischen Aal Anguilla japonica und in geringerem Maße auch für den Amerikanischen Aal Anguilla rostrata zutrifft. Da man sowohl Glasaale als auch adulte Fische gut interkontinental verfrachten kann, hat sich im Aalhandel ein weitreichendes, internationales Netzwerk etabliert. Es verwundert daher nicht, dass viele Aalparasiten über diese Handelsrouten verschleppt wurden und werden. Speziell der Europäische Aal erwies sich als Zielwirt für Parasiten von Anguilla japonica, z.B. von dem Schwimmblasennematoden Anguillicola crassus  und von Kiemenwürmern (Monogenea) der Gattung Pseudodactylogyrus.

In unserer Arbeitsgruppe beschäftigen wir uns seit Mitte der 1980er Jahre mit dem im Europäischen Aal hochpathogenen A. crassus, wobei sich Pseudodactylogyrus anguillae und P. bini bei den experimentellen Infektionen im Labor als Störfaktor erwiesen, durch den viele Europäische Aale getötet wurden, wenn man die blutsaugenden Kiemenwürmer nicht angemessen durch Chemotherapeutika bekämpfte. Wir wollen uns jetzt auch wissenschaftlich mit den invasiven Monogenea befassen.

Bei den Schwimmblasenwürmern galt unsere Hauptaufmerksamkeit zunächst der Epidemiologie, Taxonomie und den Wirt-Parasit-Beziehungen (Pathogenität, Immunisierung im Neuwirt etc.). Später haben wir uns z.B. der Phylogenie aller Anguillicola-Arten (invasiv versus nicht invasiv), dem Transkriptom von A. crassus und der divergenten Evolution dieses Aliens in Europa im Vergleich zum Herkunftsareal in Ostasien zugewandt. Wir wollen in den nächsten Jahren z.B. untersuchen, wie der hochinvasive A. crassus mit nicht invasiven anderen Arten seiner Gattung im Neuwirt und im natürlichen Wirt interagiert, z.B. mit Anguillicola globiceps in Japan. In Südafrika untersuchen wir die nicht invasive Art Anguillicola papernai und andere Aalparasiten. Es wird erwartet, dass A. crassus dort demnächst ankommt oder sich bereits im Lande befindet. Er wird dann auf Aalarten stoßen, die mit einer anderen Anguillicola-Art eine Koevolution durchlaufen haben und dem kolonisierenden Parasiten somit nicht so „naiv“ wie Anguilla anguilla in Europa begegnen sollten. In Bezug auf das damit verbundene Zusammentreffen der beiden   Parasitenarten diskutieren wir verschiedene Szenarien.

 

 

 

 

Abb.1: In Kreuzinfektionen im Labor wurden Europäische und Japanische Aale mit Anguillicola crassus aus Taiwan (Herkunftsgebiet des Parasiten) und aus Europa (Deutschland, Polen, Kolonisationsgebiet) infiziert und 25, 50, 100 bzw. 150 Tage später seziert. Die später bei den Sektionen wiedergefundenen Nematoden wurden als L3-Larven, L4-Larven, adulte Würmer, tote Larven und tote Adulte differenziert. Es zeigte sich z.B., dass im natürlichen Wirt A. japonica die meisten Würmer jeder Herkunft bereits als Larven abgetötet wurden, was im Europäischen Aal nicht der Fall war. Im Neuwirt entwickeln sich die Europäischen Parasiten wesentlich schneller als die aus Ostasien, was im natürlichen Wirt nicht so deutlich hervortritt. Wir interpretieren diesen Unterschied als Ausdruck von „Rapid evolution“ im Neuareal/Neuwirt.